Aus der Entwicklungszeit

Unsere derzeitige Schiedsrichtergeneration kann sich begreiflicherweise kein Bild machen, wie sich die Schiedsrichterorganisation entwickelt hat. Bis zum ersten Weltkrieg finden wir nicht die geringste Spur einer offiziellen Schiedsrichterorganisation. Der Verband übermittelte alljährlich vor den Verbandsspielen allen Vereinen zwei Meldelisten, und zwar eine Liste für die Spieler und eine Meldeliste für Schiedsrichter. Der Verein seinerseits konnte als Schiedsrichter melden, wen er wollte, ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit. Dem Verband blieb dann nichts anderes übrig, als für die Spiele die von den Vereinen gemeldeten, aber ihm völlig unbekannten Schiedsrichter zu verwenden. Erschien ein Schiedsrichter regelmäßig auf der Meldeliste und gab es bei seinen Spielleitungen keine Anstände, so gab man ihm Spiele der höheren Klassen, in denen er dann ganz von selbst an die größere Öffentlichkeit trat und somit der Kritik unterlag. Als erster Gau im Süddeutschen Fußballverband hielt der Gau „Schwaben“ im Jahr 1911 eine Schiedsrichterprüfung ab, der sich selbst die Schiedsrichter der obersten Spielklasse – der Liga – unterzog. Stolz trugen die Beteiligten an dieser Prüfung von diesem Zeitpunkt an den Titel: “Geprüfter Schiedsrichter“. In der Liga traten damals von Stuttgart (Anmerkung: Die Esslinger Schiedsrichter gehörten damals weitgehend noch zu der Stuttgarter Vereinigung) die Kameraden Philipp Brucker, Robert Knab und Angelo Rossi in den Vordergrund, die auch noch nach dem Kriege als Schiedsrichter zu höchsten Ehren kamen. Wenn auch in der Liga die Qualität der Schiedsrichter völlig ausreichte, so häuften sich doch die Klagen der Vereine über ungenügende Schiedsrichterleistungen in den unteren Klassen. Diese Klagen erschienen regelmäßig in den Protokollen der Gau- und Verbandstage. Es ist kein Wunder, dass die Leistungen der Schiedsrichter beim Fehlen jeglicher Ausbildung zwangsläufig hinter der Erstarkung der Vereine und Mannschaften zurückbleiben musste. Diese, den Fußballsport bedrohende Situation erreichte bis zum Jahre 1914 ihren Höhepunkt oder, besser gesagt, ihren tiefsten Punkt. Eine Organisation, eine planmäßige Ausbildung und Prüfung schien unvermeidlich, obwohl verschiedene Mitglieder des damaligen Verbandsvorstandes einer Schiedsrichterorganisation nicht sehr wohlwollend gegenüberstanden.

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Der Kriegsausbruch im Jahre 1914 unterbrach diese einleitende Entwicklung, weil der Spielbetrieb zunächst völlig erlahmte und sich nur langsam in bescheidenem Rahmen wieder belebte. Für diesen kleinen Spielbetrieb reichten die daheimgebliebenen Schiedsrichter völlig aus. Umso erstaunlicher ist es, dass gerade in dieser – was das Fußballspiel anbetrifft – ruhigen Zeit die Vereine zu einer Schiedsrichterorganisation bewegt wurden, und zwar nicht durch die Initiative des Verbandes, sondern durch die Schiedsrichter selbst. 1916 hatten die Münchner Schiedsrichter, dem englischen Beispiel folgend, eine Vereinigung gegründet. Ein Jahr später beschlossen die Stuttgarter Schiedsrichter ebenfalls die Gründung einer Vereinigung. Auch in Karlsruhe, Mannheim und Frankfurt fanden sich Schiedsrichter zu privaten Vereinigungen zusammen. Diese Vereinigungen traten zunächst nach außen kaum in Erscheinung. Die Hauptsache war jedoch, dass man sich regelmäßig traf, sich um eine einheitliche Regelauslegung bemühte und die Kameradschaft pflegte.

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Nach dem ersten Weltkrieg

Nach dem ersten Weltkrieg kamen Spieler und Schiedsrichter in die Heimat zurück. Der Spielbetrieb stieg an und die Zahl der Schiedsrichter erhöhte sich ständig. Man ging daran, den vorerst privaten Schiedsrichtervereinigungen eine feste Form zu geben. Auch in den einzelnen Bezirken und Kreisen begannen sich nun Schiedsrichtervereinigungen zu bilden. Ihre Aufgabe bestand darin, die schon vorhandenen Schiedsrichter und die nach dem ersten Weltkrieg hinzugekommenen Kameraden in Lehrabenden zu schulen, um zu einer einheitlichen Regelauslegung zu gelangen.

Auch im heutigen Kreis Esslingen gab es zur damaligen Zeit schon amtliche Schiedsrichter. In den Jahren 1919/20 unternahmen diese einen ersten Versuch zur Gründung einer eigenen Schiedsrichtervereinigung, der jedoch wegen der verhältnismäßig geringen Zahl von Schiedsrichtern misslang.

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Gründung der Esslinger Vereinigung

Am 28. Juni 1930 trafen sich in der Gaststätte „Neue Au“ in Esslingen zwanzig Schiedsrichter und beschlossen, eine eigene Schiedsrichtervereinigung zu gründen.

Soweit es den Chronisten zugetragen wurde, waren dies die Kameraden: Ernst Barth, Viktor Hespel, Hugo Hotz, Fritz Barth, Willi Bidenbach, Eugen Keck, Hermann Breithaupt, Karl Klefenz, Eugen Clauss,Gottfried Kümmerle, Hermann Rayher, Willi Clauss, Willi Fingerle, Johannes Straub, Karl Glaser,Ernst Strauß, Otto Herter Hans Weinbuch, Eugen Hespel, Ernst Zambelli Zu ihrem ersten Obmann wählten sie Eugen Keck vom SC Altbach.

Zu diesen Gründungsschiedsrichtern kamen im Laufe der Zeit immer mehr Kameraden hinzu. Aus der Arbeitersportbewegung stießen 1933 die Kameraden Christian Sigler (Deizisau), Karl Laub (Deizisau) Richard Blum (Esslingen) und Erwin Winter (Esslingen) zu der Vereinigung. Jeden Monat traf man sich einmal, um über die Schiedsrichter interessierenden Fragen zu sprechen und sich in der Regelauslegung fortzubilden. 1935 wurde der seitherige Kreis-Schiedsrichterobmann Eugen Keck zum Fachwart für Fußball im Kreis Teck berufen. Dessen Nachfolger als Obmann wurde Karl Klefenz. Unter seiner weitsichtigen Führung wurde die Esslinger Schiedsrichtervereinigung zeitweilig zur zweitgrößten Kreis-Schiedsrichtervereinigung nach Stuttgart im Württembergischen Fußballverband. Bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs umfasste die Vereinigung 34 Schiedsrichter. Den guten Ruf der Schiedsrichter begründeten die Kameraden Karl Glaser, Eugen Keck und Ernst Zambelli, die bis zur damals höchsten Spielklasse aufstiegen. Neben ihnen waren vor allem die Kameraden Willi Clauss, Viktor Hespel, Johannes Straub und Ernst Strauß bis über die Grenzen Württembergs hinaus bekannte und geschätzte Schiedsrichter. Im September 1939 brach der zweite Weltkrieg aus, der so viel Leid über unser Land brachte. Die Reihen der Schiedsrichter lichtete sich durch Einberufungen immer mehr. Schon bald musste man auch um gefallene Kameraden trauern. Es war eine schreckliche Zeit. Der unselige Krieg schlug überall tiefe Wunden.

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Nach dem zweiten Weltkrieg

Der Mitgliederbestand der Schiedsrichtervereinigung Esslingen war durch den zweiten Weltkrieg stark zurückgegangen. Zahlreiche Kameraden befanden sich noch in der Kriegsgefangenschaft, als sich Ende 1945 in der Esslinger Schiedsrichtervereinigung wieder das erste Leben regte. Karl Klefens machte sich daran, seine Schäfchen wieder um sich zu versammeln. Zusammen mit den Kameraden Josef Grupp (Wernau), Otto Herter (Mettingen), Walter Kenner (Esslingen), Otto Kütterer (Esslingen), Jakob Maier (Esslingen), Erwin Winter (Esslingen) und Alfons Zink (Wendlingen)ging er an die schwierige Aufgabe heran, die Vereinigung wieder neu aufzubauen. Trotz Hunger und Elend blühte der Spielbetrieb langsam aber sicher wieder auf. Die Schiedsrichterkameraden hatten es in den ersten Nachkriegsjahren oft sehr schwer, den Spielort zu erreichen. Bahn- oder Busverkehr gab es nur auf den Hauptstrecken. Mit dem Fahrrad oder zu Fuß wurden von ihnen Entfernungen überwunden, die uns heute Respekt abverlangen.

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Durch ständige Neulingskurse und die durch die aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Kameraden erhöhte sich die Zahl der Mitglieder und hatte schon bald den Vorkriegsstand erreicht. Die gezielte Nachwuchsförderung zeigte Früchte.

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1955 beging die Schiedsrichtervereinigung im Waldheim (Esslingen-Zollberg) ihr 25-jähriges Jubiläum. Viele Gratulanten von Verbänden und Vereinen fanden sich ein, um mit uns diesen Ehrentag zu begehen. Zu dieser Zeit gehörten bereits 86 Schiedsrichter der Vereinigung an. 1961 gab Karl Klefenz sein Amt als Obmann aus gesundheitlichen Gründen ab. Über 26 Jahre, in guten und in schlechten Zeiten, stand Kamerad Klefenz der Kreis-Schiedsrichtervereinigung Esslingen als Obmann vor. Er hatte in erheblichem Maße Anteil an dem schnellen Wachstum der Vereinigung nach dem Kriege. Zu seinem Nachfolger wurde Erich Kossler (VFB Oberesslingen) gewählt.

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Es war ihm nicht zu viel, neben seinem aktiven Einsatz als Schiedsrichter noch die umfangreiche Verwaltungsarbeit eines Schiedsrichterobmanns auf sich zu nehmen. Stets war er bereit, seine Erfahrungen, die er als Schiedsrichter der höchsten Amateurspielklasse gesammelt hatte, uneingeschränkt an die jüngeren Kameraden weiterzugeben. Die systemvolle Aufwärtsentwicklung der Schiedsrichtergruppe Esslingen setzte sich unter seiner Leitung fort. Die Zahl der aktiven Schiedsrichter nahm ständig zu. 1972 zählte die Schiedsrichtergruppe Esslingen 111 aktive Schiedsrichter. Am 18 September 1971 beging die Schiedsrichtergruppe Esslingen ihr 40jähriges Jubiläum. In einer würdigen Feier in gut organisiertem Ablauf und harmonischem Ausklang wirkten unter anderem auch die damals aufstrebenden Fischer-Chöre mit. Nach 11jähriger Tätigkeit legte Erich Kossler sein Amt als Schiedsrichterobmann aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen nieder. Seine stets weitblickende Übersicht und sein tatkräftiger Einsatz waren Garant und Grundstein für die kommenden Jahre. Im April 1972 wurde dann Heinz Ott einstimmig zum Schiedsrichterobmann gewählt.

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Sehr großen Wert wurde auf die Nachwuchsarbeit gelegt, der er sich in ganz vorbildlicher Weise der Schiedsrichterlehrwart Siegfried Albeck annahm. So wurde die theoretische Ausbildung in Schulungsabenden, Lehrgängen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit zielstrebig vorangetrieben. Selbst Trainingsabende zur Förderung und Steigerung der körperlichen Leistung blieben nicht aus. Die neu gebildete Fußballmannschaft der Schiedsrichtergruppe nahm an unzähligen Turnieren teil und errang gegen namhafte Gegner beachtliche Erfolge. Die Kameradschaft und der Zusammenhalt festigte sich und brachte eine Stabilisierung der Schiedsrichtergemeinschaft. Die Schiedsrichtergruppe Esslingen erreichte einen beachtlichen Leistungsstand, der weit über den Kreis hinaus Anerkennung findet. Der Höhepunkt in der Zeit unter Obmann Heinz Ott war 1980 das 50jährige Jubiläum der Schiedsrichtergruppe Esslingen mit einem gelungenen Festakt in der Osterfeldhalle in Esslingen-Berkheim, bei dem so prominente Künstler wie Ruth Mönch und Willy Seiler vom Süddeutschen Rundfunk mitwirkten. 1981 trat Heinz Ott nach 9jähriger Amtszeit zurück. Zu seinem Nachfolger wurde Herbert Brucker gewählt.

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Herbert Brucker legte sein Hauptaugenmerk auf die noch stärkere Förderung der Nachwuchsarbeit, die sich durch den Aufstieg einiger junger Schiedsrichter in die höheren Spielklassen Ende der 80er Jahre auszahlen sollte. Der Schiedsrichter-Ausschuss, der mit Herbert Brucker 1981 das schwere Erbe von Heinz Ott antrat, setzte sich damals aus Peter Pröhl, Siegfried Kuhn, Manfred Tornow und Hans-Joachim Bohm zusammen. Im Jahre 1990 bildeten neben Obmann Herbert Brucker die Kameraden Herbert Haupt, Siegfried Bärenstecher, Horst Böhm und Wolfgang Hoss den Schiedsrichter-Ausschuss. Eine große Aufgabe stellte die Besetzung der Spiele mit Schiedsrichtern dar, wobei neben den Spielen der Aktiven bis zur Bezirksliga sowie Jugendspielen hinab bis zur E-Jugend auch Spiele im Betriebssport sowie in zunehmendem Maß Spiele der Ausländerstaffel besetzt werden mussten. Dies erforderte eine große Anzahl guter und zuverlässiger Schiedsrichter. Der Stand am 20. Juni 1990 mit 127 aktiven, darunter auch eine Schiedsrichterin und 9 passiven Schiedsrichtern war damals sehr ordentlich. 1996 trat Herbert Brucker aus persönlichen Gründen zurück und übergab das Amt an Hardy Wolf.

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Mit 33 Jahren war Hardy Wolf zur Amtsübernahme der jüngste Schiedsrichterobmann im Württembergischen Fußballverband. Voller Tatendrang organisierte er mit seinem damaligen Ausschuss Herbert Haupt, Horst Böhm, Stefan Wais, Erhard Stenzel, Christian Koch und Wolfgang Hoss ein Hallenturnier für aktive Mannschaften. Dabei war es für die Schiedsrichtergruppe Esslingen wichtig, den Kontakt mit den Vereinen zu suchen und für ein faireres Miteinander zu werben. Das Konzept ging voll auf, das Flair und das faire Miteinander wurde von den Vereinen angenommen. Bald wurde über dieses Event auch außerhalb des Bezirks gesprochen so dass man beim 10jährigen Hallenturnier der Schiedsrichtergruppe Esslingen im Jahr 2008 sage und schreibe 40 Mannschaften begrüßen konnte. Inzwischen zählt dieses 2-Tage-Event zu den größten Hallenturnieren in ganz Baden Württemberg. Auch legte Hardy Wolf mit seinem Ausschuss ein besonderes Augenmerk auf die Kameradschaft. Es wurde eine Jungschiedsrichtergruppe gebildet die eine besondere Ausbildung geniest. So wurden 14 Schiedsrichter zu einem Wochenendseminar in der Sportschule Ruit eingeladen um über deren Probleme zu sprechen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Eigens für solche Aktionen wurde der Förderverein der Schiedsrichtergruppe Esslingen auf Vorschlag des Ausschusses gegründet welcher alle Vorhaben der Schiedsrichtergruppe unterstützt. Eines dieser Vorhaben ist das Weißwurstfrühstück für Schiedsrichter über 55 Jahre. Alljährlich treffen sich nun alle Schiedsrichter über 55 Jahre mindestens einmal im Jahr um über alte Zeiten zu sprechen. Geändert wurde auch die jährlich stattfindende Leistungsprüfung für Schiedsrichter, die einmal im Jahr durchgeführt wird. Vorbei sind die Zeiten in denen auf der Tartanbahn die Runden gelaufen wurden. Seit der Amtsübernahme vom Obmann Hardy Wolf wird die Leistungsprüfung mit einem Waldlauf im „Sauhag“ mit einer Länge von mind. 3,2 km in Neuhausen absolviert. Im Anschluss an dieser Leistungsprüfung gibt es ein Grillfest aller Teilnehmer im Stadion in Neuhausen. Das dabei die Leistung nicht zu kurz kommt, zeigen die Erfolge der Schiedsrichter zum 01.04.2009. Mit Stefan Wais, Stefan Wolf und Sebastian Lorenzen sind drei Schiedsrichter in der Landesliga im Einsatz. In der Oberliga standen mit Andreas Iby und Kai Mark Lechner gleich zwei Schiedsrichter ihren Mann und Arno Blos vertritt die Esslinger in der 3. Liga als Schiedsrichter und als Schiedsrichter-Assistent in der 2. Bundesliga. 2010 wurde als erste Frau Sandra Bausch als Frauenbeauftragte in den Ausschuss der Schiedsrichtergruppe Esslingen berufen. Mit insgesamt 7 Frauen ist die SRG Esslingen mit Führend bei der zahl der weiblichen Schiedsrichter. 2010 wurde bei einem Verbandsspiel der A-Junioren zum erstenmal auch ein rein weibliches Gespann eingesetzt.